Banner NCH-Emden 2
Web Design
Klinikum Emden
Stadt Emden

Degenerative Veränderungen (Verschleiß) der Wirbelsäule

Die verschiedenen Elemente der Wirbelsäule, die neben ihrer Aufgabe als Tragepfeiler des Körpers auch die in ihrem Inneren verlaufenden und sehr leicht zu schädigenden Nervenstrukturen schützen sollen, können ihrerseits auch sehr leicht zum Ausgangspunkt von schädlichen Einwirkungen auf Rückenmark und Nerven werden. Um das zu verdeutlichen, muss man sich nur kurz klar machen, welche Kräfte im normalen täglichen Leben durch die Bewegung auf die Wirbelsäule einwirken.

Jede Bewegung und Körperhaltung, sei es Gehen,  Stehen, Bücken, Heben oder Tragen, genauso aber auch Sitzen oder Liegen führt zu Bewegungsübertragungen auf das biegsame Element des Körpers, die Wirbelsäule, dabei werden erhebliche Kräfte ausgeübt, die sich durch Druck auf die einzelnen Wirbelknochen bemerkbar machen. Zur Kraftübertragung, aber auch zur Druckminderung befinden sich zwischen den Wirbeln bekanntlich die Bandscheiben. Diese wirken wie kleine Wasserkissen, die durch dynamische Verformung den Druck der unterschiedlichen Körperpositionen abfedern. Das garantiert schmerzlose Beweglichkeit des Stützgerüstes, zumindest solange die Bandscheiben gesund sind.

Einen gewissen Eindruck davon, wie beträchtlich die einwirkenden Kräfte sind, vermittelt die Tatsache, dass durch normale tägliche Belastung die Bandscheiben, die etwa ein Viertel der Gesamtlänge der Wirbelsäule ausmachen, im Laufe des Tages um insgesamt zwei bis drei Zentimeter zusammenschrumpfen, morgens ist der Mensch also einen guten Fingerbreit länger als abends! Durch berufs- oder auch sportbedingte zusätzliche Kraft- und Druckeinwirkungen kann die Belastung der Wirbelsäule um ein Vielfaches über dieses normale Maß hinaus gesteigert sein.

  • Die Evolution des Menschen , der Affe, der sich aufrichtete und auf zwei Beinen weiterlief.
  • Die Zivilisation, die den Menschen dazu bringt, die meiste Zeit herumzusitzen, zu rauchen oder Auto zu fahren, oder in Sport und Beruf seine Wirbelsäule unphysiologischen Belastungen auszusetzen.
  • Die gestiegene Lebenserwartung, die nicht nur dazu führt, dass der  Mensch insgesamt älter wird, sondern damit gleichzeitig auch eine zunehmende Alterung von Knochen, Sehnen, Muskeln und Knorpeln bedingt.

Diese drei Bedingungen menschlichen Lebens in unserer heutigen Zeit bewirken, dass mittlerweile zwei Drittel aller deutschen Männer und gut die Hälfte aller Frauen bei Röntgenuntersuchungen ihrer Wirbelsäulen degenerative Veränderungen aufweisen: Randzacken und Abflachungen sowie Ausziehungen der Wirbelkörper, insbesondere in deren Kantenbereichen, Querstellungen, Abkippen und Abrutschen ganzer Wirbel und natürlich Abflachungen bzw. Höhenminderungen der Bandscheiben. Dazu kommen Vorwölbungen der Bandscheiben über die Grenzen des Zwischenwirbelraumes hinaus, man spricht dann von einer Bandscheiben-Protrusion. Bei noch weiter gehender Zerstörung des Zwischenwirbelgewebes kann es zur Bildung von Rissen und Löchern im Faserringgewebe der Bandscheibe kommen, so dass bei der nächsten entsprechenden Krafteinwirkung das weiche innere Gallertgewebe des Bandscheibenkerns durch diese Öffnung hindurchgepreßt werden kann. Es entsteht der Bandscheibenvorfall oder Nucleus Prolaps.   

Leider ist das Problem nicht ganz so einfach wie es bis hierher zu sein scheint. Es gibt wenige andere Erkrankungen, bei denen subjektives Befinden und objektiver Befund soweit auseinanderklaffen können wie im vorliegenden Falle:

  • Selbst ausgeprägte Deformationen der Wirbelsäule müssen nicht notwendigerweise mit Beschwerden einhergehen, andererseits können Patienten mit anatomisch, d.h. radiologisch vollkommen gesunder Wirbelsäule stärkste Beschwerden empfinden.
  • Es kommt nicht selten vor, dass sich das Befinden eines Patienten bessert ohne irgendeine sichtbare Änderung am organischen Befund.
  • Umgekehrt können objektiv krankhafte Befunde sich spontan oder mit ärztlicher Hilfe bessern, aber der Patient behält dennoch seine subjektiven Beschwerden.
  • Zusammenfassend kann man sagen, degenerative Wirbelsäulenveränderungen können die Ursache für Rückenbeschwerden sein, müssen aber nicht unbedingt Schmerzen auslösen. Das bedeutet für den behandelnden Arzt eine erhebliche diagnostische Herausforderung, denn grundsätzlich gilt natürlich auch hier, dass jede Therapie nur so gut sein kann, wie die zuvor gestellte Diagnose. Anders gesagt heisst das nicht mehr und nicht weniger, als dass bei jedem Patienten mit Wirbelsäulenbeschwerden von neuem und auf ihn individuell abgestimmt eine differenzierte Diagnostik zu erfolgen hat, um mit deren Ergebnissen eine angemessene, sei es konservative oder operative Therapie einzuleiten.
     
[Home] [Medizinisches] [Die Praxis] [Kontakt] [Impressum]

Nach oben

(c) Dr. J. Janus

Letzte Aktualisierung: 29.03.2017